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Der Weihnachtsbaum ist am Nadeln

Harry Rowohlt erzählt

Michael Naumann traf Harry Rowohlt und ließ ihn in der voll besetzten Altonaer Fabrik in der Barnerstraße den größten Teil seiner Wahlkampfveranstaltung bestreiten.

Vor viel Parteiprominenz angefangen bei Olaf Scholz, Britta Ernst, Ingo Egloff, Gabi Dobusch, Michael Sachs bis Traute Müller, um nur die mir bekannten zu nennen, lieferten sich die beiden Literaten auf der Bühne eine vergnügliche Show auf hohem Niveau, wobei sie sich gegenseitig die Bälle zuwarfen.

Nachdem Ingo Egloff die Akteure auf der Bühne, die Mitglieder der UKW-Band und die die Zuhörer begrüßt hatte, stellte Michael Naumann den "lieben Harry" als den "besten Übersetzer Deutschlands" vor und begann mit einer Lesung aus einem englischen Buch, das er in der Uni Hamburg ausgeliehen hatte. Einige Zuhörer - ich auch - konnten zwar folgen, verstanden aber nicht alles. Naumanns Aussage, dass er nach der Wahl die Universitätsreform zugunsten der Geisteswissenschaften angreifen werde, konterte Rowohlt: "Ich dachte, nach der Wahl würdest du erstmal das Buch zurückgeben".

Rowohlt hatte nicht nur bei solchen Einwürfen die Lacher auf seiner Seite, er entfaltete sein Talent als Entertainer durch Geschichten und Witze. Er hatte Naumann aber vorher gefragt, ob die Witze auch "schweinisch" sein dürften.

Naumann las noch eine "einfach großartige" Kurzgeschichte vor, die er selbst für die Festschrift zu Rowohlts 60. Geburtstag vor 2 Jahren geschrieben hatte. Rowohlts Kommentar: Das ist die einzige Festschrift, die sich zu lesen lohnt. Sie geht auch schon in die 3. Auflage. Es folgten einige deutliche werbende Hinweise von ihm auf die Buchhandlung in Eppendorf, wo dieses Buch käuflicherworben werden kann. Am Büchertisch in der Fabrik war die Festschrift schon in der Pause vergriffen.

Die wenigen Momente, in denen Naumann und Rowohlt nicht am Zuge waren, füllte die Band UKW gekonnt aus, wobei die zur Flöte umfunktionierte Luftpumpe die Zuhörer besonders begeisterte.

Auf Fragen, die Zuhörer während der Pause an ihn gerichtet hatten, antwortete er von der Bühne herab kurz und präzise so: Nein, ich habe nichts mit dem Rowohlt-Verlag zu tun. Nein, ich habe nicht abgenommen. Ja, ich spiele in der Lindenstraße mit. Die weitere Frage Naumanns nach dem goldenen Knopf am Revers beschied er : Das ist die Ehrennadel vom FC St. Pauli. Er beendete seine Selbstbeschreibung damit, dass er seit Juni keinen Alkohol mehr trinke und ergänzte: Das Schlimme daran ist, dass man plötzlich alles in Echtzeit erlebt.

Er zeigte noch sein altes SPD-Parteibuch mit nur wenigen Beitragsmarken, das er aus der Tiefe seiner Stofftasche hervorkramte und strapazierte die Lachmuskeln der Zuhörer mit seinem Hörspiel in Bochumer Dialekt: "Der Weihnachtsbaum ist am Nadeln" Durch seinen gekonnten Vortrag mit imitierten Stimmen über das harmlose Thema, wie Menschen reagieren können, wenn ein Tannenbaum einige Nadeln verliert, bezauberte er die Zuhörer.

Naumann bewertete denn auch Rowohlts Auftritt nicht als Teil seines Wahlkampfes, "sondern die Krönung desselben".